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DER (SCH)ROTMILAN Totstell-Reflexe, ansonsten fit und munter: Der besagte (Sch)rotmilan erfreut sich wieder einer stabilen und guten Gesundheit. Full view

DER (SCH)ROTMILAN

Erschöpft, vergiftet oder doch angeschossen? Wir erzählen die Geschichte eines Rotmilan-Weibchens, welches sich bereits zum zweiten Mal in der Greifvogelstation Berg am Irchel erholte.Noch vor Weihnachten stand ihr ein Happy-End bevor – ihre Rückkehr in die Freiheit. 

Am 5. November brachte uns der Tierrettungsdienst des Tierheims Pfötli einen Rotmilan in die Station. Von Patrick Huber, Mitarbeiter der Tierrettung, erfuhren wir, dass der Greifvogel geschwächt auf einem Heuballen in Kirchdorf, in der Gemeinde Obersiggenthal im Kanton Aargau gefunden wurde. Da der Rotmilan offensichtlich nicht in der Lage war zu fliegen und seine Finder von Vergiftungssymptomen wie schlechtem Geruch und Erbrochenem berichteten, wurde er für medizinische Abklärungen in das Tierspital Zürich gebracht. Die zuständigen Wildtierärzte haben ihn daraufhin geröntgt. Der Bericht zeigt Erschreckendes: «Ein Bleigeschoss sitzt in der Wirbelsäule, keine Eintrittswunde, sonst keine Auffälligkeiten.» Beim genannten Bleigeschoss handelt es sich höchstwahrscheinlich um ein Einzelprojektil einer Schrotkugel. Das fehlende Eintrittsloch weist darauf hin, dass das Blei sich schon länger im Körper des Vogels befindet. Unsere Vermutung ist, dass das dreijährige Tier bereits vor längerer Zeit angeschossen wurde. Leider gibt es auch in der Schweiz immer noch Menschen, die meinen, Rotmilane jagen zu dürfen. Dies widerspricht nicht nur dem Natur- und Artenschutz, sondern auch dem Schweizerischen Gesetz. Rotmilane werden meist angeschossen, da man meint, sie würden Kleinvieh gefährden. Rotmilane fressen jedoch mehrheitlich Mäuse, Würmer und Aas. Das Bleigeschoss im Körper unseres Rotmilan-Weibchens ist nicht mehr gesundheitsgefährdend. Eine Entfernung des Geschosses wäre es jedoch sehr wohl – deshalb bleibt das Blei drin. Es dauerte rund zwei Monate bis sich der Rotmilan von seinem Erschöpfungszustand erholte. Bereits nach kurzer Zeit frass das Weibchen wieder selbstständig. Danach befand es sich noch in der grossen Flugvoliere, wo sie ihre Muskulatur stärkte und am 14. Dezember – von Patrick Huber, der ihre Patenschaft übernommen hat – in die Freiheit entlassen wurde.

Dieser Rotmilan ist einer von 430, welche wir in der Station seit deren Gründung vor über 60 Jahren behandeln konnten. Die Art weist in der Schweiz einen Bestand von rund 2800 bis 3500 Paaren auf. Damit gilt die Art hierzulande als «nicht gefährdet». Man sieht Rotmilane vor allem im Mittelland häufig. Denn diese Greifvögel bewegen sich oftmals nahe an Siedlungsgebieten. Das ist nicht weiter verwunderlich, da das Kulturland ihr bevorzugter Lebensraum ist.

> Von uns behandelte Arten in der Greifvogelstation
> Artenportrait «Rotmilan» von der Vogelwarte Sempach