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OHNE HAPPY END Das Turmfalken-Weibchen am 5. November – da dachten wir noch, es könnte es wieder in die Freiheit schaffen. Full view

OHNE HAPPY END

Das Schicksal meinte es kürzlich nicht gut mit einem Turmfalken-Weibchen. Wir erzählen euch die Geschichte einer Patientin, die am 29. Oktober in die Greifvogelstation eingeliefert wurde und die leider kein Happy End fand.

Im Flug leicht verschätzt und schon ist sie in eine Scheibe gedonnert. Benommen liegt das Tier am Boden, unfähig schnell wieder davon zu fliegen. Ausgerechnet jetzt kommt eine Hauskatze angeschlichen und packt den Greifvogel dort, wo es eben geht – an der Brust. Die Katze verliert jedoch schnell das Interesse. Vielleicht war der Turmfalke doch etwas zu gross, um gefressen zu werden? Der Falke bleibt am Boden – jetzt erst recht nicht mehr fähig davonzufliegen. Zufälligerweise kommt ein Fussgänger vorbei und entdeckt das Tier. Er birgt das Weibchen vorsichtig und bringt es zu uns in die Greifvogelstation Berg am Irchel.

Bei der Erstuntersuchung entdecken wir den Biss an der Brust schnell. Daraufhin liefern wir das Turmfalken-Weibchen in das Tierspital Zürich, genauer in die Klinik für Zoo-, Wild- und Heimtiere ein, wo es medizinisch untersucht wird. Damit es aufgrund des Katzenbisses nicht zu einem bakteriellen Infekt kommt, verabreichen die Tierärzte ihr ein Antibiotikum. Zurück in der Station verbessert sich ihr Allgemeinzustand rasch, wonach wir sie in die grosse Voliere verlegen können. Dort wird leider nach wenigen Tagen klar: Der Turmfalke fliegt nicht richtig. Zurück im Tierspital stellen die Tierärzte beim Röntgen eine Luxation (=Ausrenkung) des Flügels fest. Wahrscheinlich geschah diese bereits beim ersten Aufprall mit der Scheibe. Das Tierspital entscheidet in solchen Fällen autonom: Das Turmfalken-Weibchen wird leider eingeschläfert. Die Heilungschancen bei einer Luxation sind sehr gering und das Tier hätte in der Freiheit mit dieser Verletzung keine Überlebenschance gehabt.

In der Greifvogelstation halten wir seit einigen Jahren einen tollen Pflegeerfolg von rund 80%. Das heisst im Umkehrschluss, 20% der eingelieferten Greifvögel und Eulen haben leider keine Überlebenschance, kommen schon tot in der Station an, sterben während ihrer Reha bei uns oder werden im Tierspital euthanasiert. Obwohl 20% auf den ersten Blick eher hoch erscheint, ist das ein sehr guter Wert. Im internationalen Vergleich zu anderen Stationen ist es sogar ein Spitzenwert!

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