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«WIR SPIELEN EIN BISSCHEN MAMA UND PAPA» Richard Zink und Andi Lischke bei der Habichtskauz-Voliere der Greifvogelstation Berg am Irchel. Im Hintergrund oben auf dem Ast: Unsere Eulen-Dame. Full view

«WIR SPIELEN EIN BISSCHEN MAMA UND PAPA»

Richard Zink, Leiter des Habichtskauz-Wiederansiedlungsprojekts, war letzte Woche bei uns in der Greifvogelstation in Berg am Irchel zu Besuch. Er ist begeistert von unserem Eulen-Paar und erzählt uns mehr über das vielversprechende Projekt.

In unserer neuen Eulenvoliere befindet sich seit diesem Frühjahr ein spezielles Vogelpärchen: zwei junge Habichtskäuze. Diese in Österreich und Slowenien heimische Eulenart galt seit dem 19. Jahrhundert als ausgestorben. Die Greifvogelstation beteiligt sich mit einem Zuchtpaar am Wiederansiedlungsprojekt, um diese bedrohte Art zu erhalten.
Ein Team des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien, startete 2009 unter der Leitung des Ornithologen Richard Zink das Habichtskauz-Wiederansiedlungsprojekt. Ziel dieses Projekts ist das «Comeback» dieser grossen Eule in den mitteleuropäischen Wäldern. Bis heute konnten in Österreich insgesamt 222 Habichtskäuze freigelassen werden, von denen auch schon 60 Jungtiere hervorgegangen sind. Zur Wiederansiedlung braucht es Jungtiere. Wir hoffen deshalb, dass in der Eulenvoliere der Greifvogelstation möglichst bald Küken schlüpfen und unser Habichtskauz-Pärchen damit einen Beitrag an den Erhalt ihrer Population leisten kann.

Was ist an den Habichtskäuzen so besonders und warum sind Sie persönlich darauf gekommen, gerade diese Art zu fördern?
Richard Zink: Eulen und Greifvögel faszinieren mich seit meiner Kindheit. Ich habe damals recherchiert, dass es Habichtskäuze früher bei uns gab und es stimmte mich traurig, dass sie ausgestorben sind. Dabei ist die Idee entstanden, dass es wunderschön wäre, diese Art wieder anzusiedeln.
In den 70er Jahren startete man schon mal erfolgreich ein solches Wiederansiedlungsprojekt im Bayerischen Wald in Deutschland. Eine Weiterführung machte aber nur dann Sinn, wenn dieses neue Vorkommen, das man damals angesiedelt hat, an andere Populationen angebunden wird. Österreich hat geografisch gesehen eine verbindende Lage zwischen Slowenien und dem wiederangesiedelten Gebiet im bayrischen Raum. Also begann ich 2006 mit der Planung – 2009 erfolgten dann die ersten Freilassungen.

An verschiedenen Orten werden, wie in unserer Greifvogelstation, Habichtskäuze gezüchtet. Doch wie geht ihr bei der Freilassung der Jungtiere vor?
R.Z.: Eine solche Freilassung ist nicht ganz so trivial. Man darf sich das nicht so vorstellen, dass man die Jungvögel in einer Box in den Wald bringt und die Box öffnet.
Wir wollen die Jungvögel möglichst stressfrei freilassen, sodass sie sich dort zuhause fühlen und ansiedeln. Aus diesem Grund haben wir in verschiedenen Gebieten sechs grosse Gehege mitten im Wald errichtet. Die Vögel werden dort im Alter von optimal 75 Tagen hin gebracht, um sich an die Umwelt zu gewöhnen. Die Jungtiere werden einerseits mit Futter versorgt und trainieren andererseits das Jagen mit lebenden Mäusen. Da wir die Elterntiere aber nicht freilassen, müssen wir diese ersetzen. Wir sorgen für optimale Bedingungen und Sicherheit nach der Freilassung. Da spielen wir ein bisschen Mama und Papa.
Schliesslich öffnen wir eine Klappe, sodass sie alleine entscheiden können, wann sie den Wald erkunden möchten. Da sie noch so jung sind und ohne Stress den Standort verlassen können, fliegen sie nicht weg, sondern bleiben in den Bäumen der Umgebung. Dort können wir sie weiterhin füttern, während sie ihre ersten Jagderfolge machen. So werden sie sukzessive immer selbstständiger und brauchen unser Zusatzfutter nicht mehr.

Und was geschieht danach? Werden die Tiere überwacht?
R.Z.: Wir haben unterschiedliche Monitoring-Methoden: Von genetischen Methoden bis hin zu den Nistkästen, die wir ihnen anbieten. Die Tiere bekommen einen Chip und ein Grossteil wird auch besendert, sodass wir wissen, wie weit sie abwandern und ob oder wann sie zurückkommen.

Wie sehen Sie die Zukunft der Habichtskäuze? Sieht’s gut aus?
R.Z.: Unser langfristiges Ziel ist es, durch unsere Ansiedlungen bildlich gesprochen einen Brückenpfeiler zwischen den angrenzenden Populationen zu schaffen. Die Vorkommen nördlich und südlich von Österreich liegen etwa 200km voneinander entfernt – Eine Distanz, die nur selten ein Habichtskauz überwinden kann. Unser Wiederansiedlungsgebiet liegt da genau dazwischen. Wir möchten einen regelmässigen Austausch zwischen den Beständen zustande bringen. Es gibt auch schon erste Hinweise auf unser Gelingen: Einzelne freigelassene Vögel sind bis in die südlichen Anschlussgebiete abgewandert. In unserem Gebiet haben wir auch einen Vogel, der nicht beringt ist und genetisch nicht zu unseren Vögel passt. Er muss also von woanders kommen.

Nun noch eine Frage an Andi Lischke, Leiter der Greifvogelstation Berg am Irchel: Warum beteiligt ihr euch an einem Projekt, wo es um die Wiederansiedlung Österreichischer Eulen geht? Warum kein Schweizer Ansiedlungsprojekt?
Andi Lischke: Es ist wichtig, mit internationalen Partnern zusammen zu arbeiten. Wir können uns so gegenseitig unterstützen, da wir ja schlussendlich alle dasselbe Ziel vor Augen haben: Den Schutz der Greifvögel und Eulen. Egal wo. Dazu kommt, dass solche Projekte schwierig aufzubauen sind: Es braucht eine exakte wissenschaftliche Ausarbeitung und genaue Recherchen, bevor man eine, in einem Gebiet ausgestorbene Art aus Zuchtbeständen wieder in dieses Gebiet auslässt, damit sich eine neue Gründerpopulation entwickeln kann. Das kann unsere Greifvogelstation alleine nicht leisten. Deshalb beteiligen wir uns an bereits fertig ausgearbeiteten und laufenden Projekten.

> Forschung der Greifvogelstation Berg am Irchel
> Habichtskauz-Wiederansiedlungsprojekt