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SCHWERER WINTER FÜR DIE ROTMILANE Rotmilane sind die dritthäufigste Greifvogelart der Schweiz. Full view

SCHWERER WINTER FÜR DIE ROTMILANE

Wie jedes Jahr wurden im November 2020 und im Januar 2021 in der ganzen Schweiz Rotmilane gezählt. Die Zahl der in der Schweiz überwinternden Vögel nahm im Vergleich zu den Vorjahren deutlich ab. Der Nahrungsmangel zwang viele Tiere, die Schweiz Richtung Süden zu verlassen.

Aus den aktuellen Zählungen ging hervor, dass besonders der starke Schneefall nach Neujahr viele Tiere dazu zwang, die Schweiz zu verlassen und spät noch nach Süden zu ziehen. So wurden in diesem Jahr lediglich 3141 Rotmilane gezählt, während im Vorjahr 4302 Tiere gezählt wurden. Normalerweise fliegen Rotmilane bereits im November Richtung Süden oder verbringen gleich den ganzen Winter in der Schweiz. Viel Schnee kann jedoch dazu führen, dass sie noch im Januar oder sogar im Februar in mildere Regionen ausweichen müssen. So wurden dieses Jahr im Januar 33% weniger Vögel gezählt als im vergangenen November. Die Anzahl Rotmilane, die im November 2020 gezählt wurden, lag jedoch noch im selben Bereich wie bei der November-Zählung 2019. Somit ist der starke Rückgang im Januar kein Grund zur Sorge, sondern war angesichts des vielen Schnees zu erwarten.

Die Zählungen sind wichtig, da auf diese Weise der Bestand der Rotmilane in der Schweiz abgeschätzt werden kann. Sie haben gezeigt, dass seit dem Zählungsbeginn in 2007 immer mehr Rotmilane in der Schweiz überwintern. In diesem Winter suchten über 180 Freiwillige die bekannten Schlafplätze der Tiere auf und erfassten die Zahlen, die anschliessend von der Vogelwarte Sempach ausgewertet wurden. Das Zählen der Tiere wird möglich, weil sich Rotmilane zwischen November und Ende Januar für die Nacht an gemeinsamen Schlafplätzen, häufig in einem spezifischen Baum, versammeln. Diese können zehn bis 100 Tiere beherbergen. Die Zahl der Übernachtenden kann von Nacht zu Nacht variieren. Aktuell sind 86 solche Schlafplätze bekannt, die über das ganze Schweizer Mittelland verteilt sind.

Dass der viele Schnee den Vögeln zu schaffen machte, spürten wir auch auf der Greifvogelstation Berg am Irchel, wo neben 33 mageren Mäusebussarden auch fünf Rotmilane eingeliefert wurden. Geschlossene Schneedecken machen es den Tieren unmöglich, Nahrung zu finden. Der Rotmilan, der eigentlich das warme Klima bevorzugt, wird in der Schweiz immer häufiger. Jedoch hat er bei Weitem noch nicht den Mäusebussard eingeholt, der das ganze Jahr über recht konstant in der Schweiz mit bis zu 20’000 Paaren vertreten ist. Die Annahme, dass der Rotmilan den scheueren Mäusebussard vertreibt, ist also falsch.

> Schauen Sie sich als Vergleich unseren Bericht zur Rotmilanzählung von 2015 an
> Den detaillierten Bericht der Zählung im Januar finden Sie hier